Waffenrecht im Fadenkreuz
Die Anschläge in Norwegen geraten angesichts aktueller Schlagzeilen von Krawallnächten in englischen Städten, Euro- und US-Finanzkrise schon fast wieder in Vergessenheit. Doch fordern Sicherheitsexperten nach wie vor Konsequenzen. Die EU will den Verkauf gefährlicher Chemikalien einschränken. Bundespolitiker aus Reihen der SPD und der Grünen fordern eine Verschärfung des Waffenrechtes und ein Besitzverbot von großkalibrigen Faustfeuerwaffen für Privatpersonen.
Verbote würden vor allem die Sportschützen treffen, die sich dagegen wehren, nach jedem Attentat oder Amoklauf unter Generalverdacht gestellt zu werden. „Wenn großkalibrige Waffen verboten werden, würde das den Sportschützen-Bereich schon einschränken“, gibt auch das heimische KKSV-Mitglied Willi Brinkmann zu. Der Sportschütze und Schießmeister der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft glaubt zudem nicht an den Erfolg einer strengeren Gesetzgebung. „Durch schärfere Waffengesetze werden wir keine Einzeltaten verhindern können“, betonte er auf Anfrage unserer Zeitung. Brinkmann stellte in diesem Zusammenhang klar, dass es in Deutschland schon heute eine sehr restriktive Handhabung gebe. „Ein Sportschütze kann eine Waffe nur erwerben, wenn er mindestens seit zwölf Monaten den Schießsport in einem Verein regelmäßig betrieben hat und von diesem Verein eine Bedürfnisbescheinigung erhält“, erläuterte Brinkmann. Jeder neue Sportschütze bekomme einen Übungsleiter an die Hand. „Sowohl was die Durchführung als auch die rechtliche Handhabung angeht, pflegen wir einen engen Kontakt mit den angehenden Sportschützen“, führte Brinkmann fort. Wert legen die Ausbilder vor allem auf menschliche Kompetenzen. „Die persönliche Zuverlässigkeit ist das A und O.“ Beim Schießsport selber gehe es derweil viel mehr um die Konzentrationsfähigkeit als um die Größe der Waffe. „Es braucht keiner zu uns zu kommen, weil er mal eine große Wumme in die Hand nehmen will. Der Begriff Wumme ist bei uns verpönt“, so Brinkmann.
Ähnlich betrachtet der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Werner Lohn, Experte im Bereich Innere Sicherheit, die aktuellen Diskussion. „Es kommt doch weniger auf die Waffen an als auf den Menschen“, sagte er. Nur zuverlässige Menschen, so Lohn weiter, sollten Zugang zu Waffen haben. Ein schärferes Waffenrecht könne eine Katastrophe wie in Norwegen dagegen nicht verhindern. „Es wäre daher schön, wenn die Befürworter härterer Gesetze auch mal unabhängig von derartigen Vorfällen ihre Meinung äußern würden“, erklärte der Landtagsabgeordnete.
Brinkmann und Lohn stehen mit ihrer Meinung nicht alleine da. Selbst die heimische Grünen-Politikerin Eva Peitz steht möglichen Verboten eher skeptisch gegenüber. „Ich glaube nicht, dass man so etwas wie in Norwegen mit Gesetzen verhindern kann. Ich bin in jeglicher Hinsicht für Prävention“, betonte sie auf Anfrage. - df
Der Patriot, 9.8.2011

